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Feiertage in Deutschland: ein Bundeslaender-Vergleich

Deutschland hat keine einheitliche Feiertagsregelung. Bayern und Saarland sind Spitzenreiter mit bis zu 13 Feiertagen, die Stadtstaaten Bremen, Hamburg liegen bei 10. Historische und konfessionelle Hintergruende.

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Von Jan-Tristan Rudat

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Deutschland hat keine einheitlichen Feiertage

Anders als in Frankreich (11 nationale Feiertage) oder USA (10 federale Feiertage) gibt es in Deutschland keine bundesweit einheitliche Feiertagsregelung. Die 16 Bundeslaender entscheiden selbst, welche Tage gesetzlich frei sind. Daraus ergibt sich eine Spannweite von 9 bis 13 gesetzlichen Feiertagen pro Jahr.

Bundesweit einheitlich sind nur 9 Feiertage: Neujahr, Karfreitag, Ostermontag, Tag der Arbeit, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, Tag der Deutschen Einheit, 1. und 2. Weihnachtstag. Alle anderen Feiertage sind regional verschieden.

Ranking: Bundeslaender mit den meisten Feiertagen

BundeslandFeiertageExklusiv
Bayern13 (regional)Heilige Drei Koenige, Fronleichnam, Mariae Himmelfahrt, Allerheiligen
Saarland12Fronleichnam, Mariae Himmelfahrt, Allerheiligen
Baden-Wuerttemberg12Heilige Drei Koenige, Fronleichnam, Allerheiligen
NRW, RP11Fronleichnam, Allerheiligen
Sachsen11Reformationstag, Buss- und Bettag
Thueringen11Reformationstag, Weltkindertag
BB, MV, ST10-11Reformationstag, ggf. Frauentag (MV), Heilige Drei Koenige (ST)
HE10Fronleichnam
Berlin10-11Internationaler Frauentag
HB, HH, SH, NI10Reformationstag

Historische Hintergruende

Die regionalen Unterschiede haben drei Ursachen: Konfession, Politik und Sondergeschichte.

Konfessionell: Katholische Bundeslaender (Bayern, Baden-Wuerttemberg, NRW, Rheinland-Pfalz, Saarland) haben Fronleichnam und Allerheiligen als Feiertage. Evangelisch gepraegte Bundeslaender (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thueringen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern) feiern den Reformationstag. Beides geht auf die Reformation und den Westfaelischen Frieden 1648 zurueck, der die religioese Praegung der Territorien festschrieb.

Politisch: Berlin hat seit 2019 den Internationalen Frauentag als Feiertag. 2023 folgte Mecklenburg-Vorpommern. Die Begruendung: Anerkennung der Frauenbewegung und work-life-balance. Politische Mehrheiten in den Landtagen entscheiden.

Sondergeschichte: Sachsen behielt nach der Wiedervereinigung den Buss- und Bettag als gesetzlichen Feiertag (Mittwoch vor dem 23. November) - als einziges Bundesland. Begruendung: tief verwurzelte evangelische Tradition. Allerdings als Kompensation: in Sachsen zahlen Arbeitnehmer einen hoeheren Beitrag zur Pflegeversicherung.

Ein Tag mehr Feiertag in Sachsen kostet 0,5 Prozent vom Brutto

Diese Kompensation ist eine Besonderheit, die viele nicht kennen. Als 1995 die gesetzliche Pflegeversicherung eingefuehrt wurde, sollte ein Feiertag als Beitrag der Arbeitnehmer entfallen. Alle Bundeslaender ausser Sachsen schafften den Buss- und Bettag ab. Sachsen behielt ihn - im Gegenzug zahlen saechsische Arbeitnehmer 0,5 Prozent mehr Pflegeversicherungsbeitrag vom Brutto-Lohn.

Rechenbeispiel: bei 4.000 Euro Brutto sind das 20 Euro/Monat = 240 Euro/Jahr Mehrbeitrag. Im Gegenzug gibt es einen zusaetzlichen freien Tag (etwa 8 Stunden Arbeitszeit-Wert = bei 25 Euro Stundenlohn rund 200 Euro). Mathematisch fast neutral, fuer viele Sachsen ist der freie Tag aber wertvoller als die Versicherungsdifferenz.

Wo sich der Wohnsitz lohnt

Wer mehrere Wohnsitze in der Familie hat oder den Wechsel ueberlegt: Bayern, Baden-Wuerttemberg und Saarland haben die meisten freien Tage. Aber Vorsicht: gesetzliche Feiertage richten sich nach dem Ort der Arbeitsstaette, nicht nach dem Wohnsitz. Wer in Sachsen wohnt aber in Berlin arbeitet, hat Berliner Feiertagsregelung.

Pendler aus Bayern (12-13 Feiertage) nach Hessen (10 Feiertage) "verlieren" so 2-3 Feiertage pro Jahr. Bei Fronleichnam und Allerheiligen muss in Hessen normal gearbeitet werden, waehrend zu Hause Familie und Kinder frei haben.

Aenderungen am Horizont?

Bundespolitisch wird ein einheitlicher Feiertag (z. B. 8. Mai als Tag der Befreiung 2025) immer wieder diskutiert. 2020 schlug der Berliner Senat einen bundesweiten Reformationstag vor, 2024 forderte die Linkspartei den 8. Maerz bundesweit. Bisher keine Umsetzung in Sicht, da Feiertage Laendersache sind und der Bundesrat zustimmen muesste.

Realistischer ist die schrittweise Ausweitung des Frauentags: nach Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sind weitere Bundeslaender in Diskussion. Bei einer rot-gruen-roten Mehrheit in einem Landtag waere die Einfuehrung in einer Legislaturperiode moeglich.

Quellen und Weiterlesen

Häufige Fragen

Was Leserinnen und Leser sonst noch fragen

Welches Bundesland hat die meisten Feiertage?
Bayern und Saarland mit jeweils bis zu 13 gesetzlichen Feiertagen. In Bayern ist Mariae Himmelfahrt nur in ueberwiegend katholischen Gemeinden Feiertag, was die Zahl regional schwanken laesst.
Welches Bundesland hat die wenigsten Feiertage?
Niedersachsen, Schleswig-Holstein und die Stadtstaaten Bremen, Hamburg, Berlin liegen bei 10 gesetzlichen Feiertagen. Seit 2018 ist der Reformationstag in den drei Nordlaendern gesetzlich, was die Zahl von 9 auf 10 gebracht hat.
Warum gibt es regionale Unterschiede?
Historisch konfessionell gepraegt: katholische Bundeslaender (BY, BW, NW, RP, SL) haben Feiertage wie Fronleichnam und Allerheiligen. Evangelisch gepraegte Bundeslaender haben den Reformationstag. Stadtstaaten haben weniger religioes-gepraegte Feiertage.
Was ist der Internationale Frauentag in Berlin?
Seit 2019 ist der 8. Maerz in Berlin gesetzlicher Feiertag, seit 2023 auch in Mecklenburg-Vorpommern. Andere Bundeslaender folgen nicht. Begruendung: Anerkennung der Frauenbewegung und Verbesserung der work-life-balance.
Aendern sich Feiertage zukuenftig?
Diskutiert wird der bundesweite Reformationstag (bisher nur in 9 Bundeslaendern). 2017 war er einmalig bundesweit anerkannt zum 500. Reformationsjubilaeum. Aktuell keine Aenderungen bis 2030 absehbar.

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