Ratgeber · Kalorien-Mathematik 2026
Feiertage in Deutschland: ein Bundesländer-Vergleich
Deutschland hat keine einheitliche Feiertagsregelung. Bayern und Saarland sind Spitzenreiter mit bis zu 13 Feiertagen, die Stadtstaaten Bremen, Hamburg liegen bei 10. Historische und konfessionelle Hintergründe.
Deutschland hat keine einheitlichen Feiertage
Anders als in Frankreich (11 nationale Feiertage) oder USA (10 federale Feiertage) gibt es in Deutschland keine bundesweit einheitliche Feiertagsregelung. Die 16 Bundesländer entscheiden selbst, welche Tage gesetzlich frei sind. Daraus ergibt sich eine Spannweite von 9 bis 13 gesetzlichen Feiertagen pro Jahr.
Bundesweit einheitlich sind nur 9 Feiertage: Neujahr, Karfreitag, Ostermontag, Tag der Arbeit, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, Tag der Deutschen Einheit, 1. und 2. Weihnachtstag. Alle anderen Feiertage sind regional verschieden.
Ranking: Bundesländer mit den meisten Feiertagen
| Bundesland | Feiertage | Exklusiv |
|---|---|---|
| Bayern | 13 (regional) | Heilige Drei Könige, Fronleichnam, Mariä Himmelfahrt, Allerheiligen |
| Saarland | 12 | Fronleichnam, Mariä Himmelfahrt, Allerheiligen |
| Baden-Württemberg | 12 | Heilige Drei Könige, Fronleichnam, Allerheiligen |
| NRW, RP | 11 | Fronleichnam, Allerheiligen |
| Sachsen | 11 | Reformationstag, Buß- und Bettag |
| Thüringen | 11 | Reformationstag, Weltkindertag |
| BB, MV, ST | 10-11 | Reformationstag, ggf. Frauentag (MV), Heilige Drei Könige (ST) |
| HE | 10 | Fronleichnam |
| Berlin | 10-11 | Internationaler Frauentag |
| HB, HH, SH, NI | 10 | Reformationstag |
Historische Hintergründe
Die regionalen Unterschiede haben drei Ursachen: Konfession, Politik und Sondergeschichte.
Konfessionell: Katholische Bundesländer (Bayern, Baden-Württemberg, NRW, Rheinland-Pfalz, Saarland) haben Fronleichnam und Allerheiligen als Feiertage. Evangelisch geprägte Bundesländer (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern) feiern den Reformationstag. Beides geht auf die Reformation und den Westfälischen Frieden 1648 zurück, der die religiöse Prägung der Territorien festschrieb.
Politisch: Berlin hat seit 2019 den Internationalen Frauentag als Feiertag. 2023 folgte Mecklenburg-Vorpommern. Die Begründung: Anerkennung der Frauenbewegung und work-life-balance. Politische Mehrheiten in den Landtagen entscheiden.
Sondergeschichte: Sachsen behielt nach der Wiedervereinigung den Buß- und Bettag als gesetzlichen Feiertag (Mittwoch vor dem 23. November) - als einziges Bundesland. Begründung: tief verwurzelte evangelische Tradition. Allerdings als Kompensation: in Sachsen zahlen Arbeitnehmer einen höheren Beitrag zur Pflegeversicherung.
Ein Tag mehr Feiertag in Sachsen kostet 0,5 Prozent vom Brutto
Diese Kompensation ist eine Besonderheit, die viele nicht kennen. Als 1995 die gesetzliche Pflegeversicherung eingeführt wurde, sollte ein Feiertag als Beitrag der Arbeitnehmer entfallen. Alle Bundesländer außer Sachsen schafften den Buß- und Bettag ab. Sachsen behielt ihn - im Gegenzug zahlen sächsische Arbeitnehmer 0,5 Prozent mehr Pflegeversicherungsbeitrag vom Brutto-Lohn.
Rechenbeispiel: bei 4.000 Euro Brutto sind das 20 Euro/Monat = 240 Euro/Jahr Mehrbeitrag. Im Gegenzug gibt es einen zusätzlichen freien Tag (etwa 8 Stunden Arbeitszeit-Wert = bei 25 Euro Stundenlohn rund 200 Euro). Mathematisch fast neutral, für viele Sachsen ist der freie Tag aber wertvoller als die Versicherungsdifferenz.
Wo sich der Wohnsitz lohnt
Wer mehrere Wohnsitze in der Familie hat oder den Wechsel überlegt: Bayern, Baden-Württemberg und Saarland haben die meisten freien Tage. Aber Vorsicht: gesetzliche Feiertage richten sich nach dem Ort der Arbeitsstätte, nicht nach dem Wohnsitz. Wer in Sachsen wohnt aber in Berlin arbeitet, hat Berliner Feiertagsregelung.
Pendler aus Bayern (12-13 Feiertage) nach Hessen (10 Feiertage) "verlieren" so 2-3 Feiertage pro Jahr. Bei Fronleichnam und Allerheiligen muss in Hessen normal gearbeitet werden, während zu Hause Familie und Kinder frei haben.
Aenderungen am Horizont?
Bundespolitisch wird ein einheitlicher Feiertag (z. B. 8. Mai als Tag der Befreiung 2025) immer wieder diskutiert. 2020 schlug der Berliner Senat einen bundesweiten Reformationstag vor, 2024 forderte die Linkspartei den 8. März bundesweit. Bisher keine Umsetzung in Sicht, da Feiertage Laendersache sind und der Bundesrat zustimmen muesste.
Realistischer ist die schrittweise Ausweitung des Frauentags: nach Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sind weitere Bundesländer in Diskussion. Bei einer rot-grün-roten Mehrheit in einem Landtag wäre die Einführung in einer Legislaturperiode möglich.
Quellen und Weiterlesen
- Feiertage-Datenbank alle Bundesländer
- Landesfeiertagsgesetze der jeweiligen Bundesländer
- Statistisches Bundesamt: Arbeitstage-Statistik
Häufige Fragen